Risse im Mauerwerk: harmlos oder gefährlich?
LESEZEIT 8 MIN
IN EINEM SATZ
Feine, netzartige Haarrisse sind meist oberflächlich. Diagonale, durchgehende oder wachsende Risse können auf Bewegungen hindeuten und gehören geprüft.
Zeitnah handeln: Wachsende oder durchgehende Risse zeitnah fachlich beurteilen lassen, sie können standsicherheitsrelevant sein.
Risse gehören zu den häufigsten Anlässen für Verunsicherung, weil sie sichtbar sind und sofort Sorgen wecken. Dabei ist ein Riss zunächst nur die Reaktion eines Baustoffs auf eine Beanspruchung, die er nicht mehr aufnehmen konnte. Mauerwerk und Putz vertragen Druck gut, Zugspannungen dagegen kaum. Wo Zug entsteht, reißt das Material auf. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, aus dem Erscheinungsbild auf die auslösende Kraft zu schließen.
Die beruhigende Nachricht ist, dass ein großer Teil der Risse oberflächlich bleibt und keine Gefahr für die Standsicherheit bedeutet. Feine Netzrisse im Putz oder ein Haarriss über einem Fenstersturz sind meist Setz- und Schwindvorgänge ohne tragende Bedeutung. Die weniger beruhigende Nachricht ist, dass sich einzelne, unauffällig wirkende Risse als Anzeichen von Bewegungen im Baugrund oder im Tragwerk entpuppen können.
Entscheidend ist deshalb nicht die bloße Breite eines Risses, sondern sein Verlauf, seine Lage, sein Muster und vor allem die Frage, ob er sich verändert. Ein ruhender Riss und ein wachsender Riss sind zwei völlig verschiedene Dinge, auch wenn sie gleich aussehen. Diese Unterscheidung lässt sich mit einfacher Beobachtung vorbereiten und mit einer fachlichen Beurteilung absichern.

